Der Polizeiberuf – viel Abwechslung und Verantwortung

Fragt man SchülerInnen nach ihren beruflichen Vorstellungen, so nimmt der Polizeiberuf im Ranking der Traumberufe mit Sicherheit einen der ersten Plätze ein. Streifendienst, Verkehrskontrollen, Ermittlung in Strafsachen, Zeugenbefragungen, Aufnahme von Anzeigen versprechen einen abwechslungsreichen Berufsalltag. Dazu kommt der Wunsch, Menschen helfen zu wollen und zugleich Ansehen und Respekt zu genießen. Die Darstellung in spannenden Kriminalserien wirken verstärkend, blenden aber auch die weniger interessanten Arbeiten im Polizeidienst, wie etwa den Papierkram zu erledigen oder auch die rechtlichen Einschränkungen (z.B. Datenschutz) aus. Um so wichtiger ist es, einen realistischen Einblick zu erhalten und zu erfahren welche Anforderungen an potentielle Bewerber gestellt werden.

Diese Möglichkeit hatten 13 SchülerInnen der Jahrgangsstufe 10, am 28.10.2019 unter fachlicher Leitung des Polizeihauptkommissars R. Reusch, im Rahmen eines Projekttages.

Zu Beginn galt es zu klären, was eigentlich Teamfähigkeit ist. Mit anderen arbeiten können, ihre Stärken und Schwächen zu kennen und zu akzeptieren. Um ein gemeinsames Ziel zu erreichen, ist es wichtig, dass jedes Teammitglied seine Ideen einbringen kann. Teamfähigkeit kann bereits mit dem Anfertigen von Namensschildern beginnen, bei dem niemand seinen eigenen Namen schreiben darf. Mit Klebeband und Edding bedurfte es Absprachen und klare Aufgabenverteilungen, um die gestellte Aufgabe in möglichst geringer Zeit zu bewältigen.

Um einen Ball innerhalb der Gruppe so weiterzugeben, dass jedes Mitglied diesen nur einmal berührt, muss man Optionen prüfen (im Sitzen, im Stehen, geringe Abstände und niedrige Flugkurve…) sich absprechen und Fehler analysieren. Auch hier wurde schnell deutlich, dass man nur im Team siegt, aber auch als Team für Fehler verantwortlich ist.

In nachfolgenden Planspiel mussten sich die TeilnehmerInnen in ein Team von Polizeianwärtern versetzen, das aufgrund einer personellen Notlage die Sicherheit einer mittleren Stadt von ca. 90.000 Einwohnern übernehmen musste. Zu diesem Zweck galt es auf dem ausliegenden Stadtplan eine Polizeiwache so zu positionieren, dass unter Berücksichtigung der Verkehrssituation (z.B. Autobahnanbindung), vorhandener Problemviertel mit hoher Kriminalitätsrate, Drogenmilieus, Vergnügungsviertel überwacht werden konnten.

Da aufgrund der „Notlage“ nur eine kurze Vorbereitungszeit zur Verfügung stand, waren eine teamorientierte Vorgehensweise und Arbeitsteilung erforderlich.

Zudem musste geklärt werden, welche Funktion die Polizei im Rahmen der inneren Sicherheit hat, welche Polizeikräfte zur Verfügung stehen und welche speziellen Aufgaben und mit welchen Einsatzmitteln zu bewältigen sind.

Die Arbeitsergebnisse der Gruppen wurden abschließend präsentiert und von Herrn Reusch durch fachliche Ergänzungen vervollständigt. Dabei wurden die verschiedenen Einsatzbereiche und Zuständigkeiten von Landes- und Kriminalpolizei sowie Bundespolizei (vormals Bundesgrenzschutz) und Zoll erläutert.

Ausgehend von Erfahrungen der SchülerInnen wurden auch die Einsatzmöglichkeiten privater Sicherheitsdienste und deren Befugnisse thematisiert und verdeutlicht, dass nur die Polizei Staatsgewalt ausüben darf.

Überraschend für die SchülerInnen war die Erkenntnis, dass im Zeitalter der Digitalisierung immer noch der Kugelschreiber das wichtigste Einsatzmittel eines Polizisten ist. Deutlich gemacht wurde auch, dass trotz der Einstellung von 2.500 Polizeianwärtern pro Jahr, die Polizei nicht überall gleichzeitig sein kann. Infolgedessen verschieben sich je nach aktueller Situation (z.B. Clankriminalität, Drogen, Einbruchsdelikte….) die Prioritäten verstärkter Polizeipräsenz.

Bei der Lösung der Aufgabenstellung wiesen alle Gruppen ein hohes Maß an Teamfähigkeit auf. Dabei stellte sich auch heraus, dass die Präsentation von Arbeitsergebnissen nicht jedermanns „Ding“ ist. Auch wenn an diesem Tag die Freiwilligkeit im Vordergrund stand, muss Präsentieren geübt werden, gehört es doch mittlerweile zum beruflichen Alltag. Zudem ist dies eine Aufgabenstellung im Auswahlverfahren der Polizei.

Im nachfolgenden „Markt der Eigenschaften“ sollten sich die Teilnehmerinnen anhand von Eigenschaftskärtchen Charaktermerkmale selbst zuschreiben. Die Gruppe, die sich seit Jahren gut kennt, entwickelte die Aufgabenstellung weiter und wies den Teammitglieder bestimmte Soft-Skills zu. Hier zeigte sich, dass die Vorstellung von der eigentlichen Wortbedeutung abwichen und richtig gestellt werden mussten.

„Wertschätzend“ heißt nicht, eine Hand wäscht die andere! „Schön“ bedeutet nicht, einem bestimmten Schönheitsideal zu entsprechen, sondern selbstbewusst zu seinem Aussehen zu stehen. „Fairness“, ein Begriff, der eher aus dem Bereich des Sports bekannt ist, beinhaltet nicht nur, einer anderen Mannschaft den Sieg zu gönnen, sondern im allgemein Umgang ehrlich zu sein.

Es wurde deutlich, dass jeder Mensch verschiedene Wertvorstellungen hat und Teams aus unterschiedlichen Persönlichkeiten bestehen, die erst dann gut sind, wenn diese Unterschiede akzeptiert werden. Bei der Zuordnung der für den Polizeiberuf wichtigen Charaktermerkmale, war der Umstand, dass wertschätzendes Verhalten an oberster Stelle steht, eine wichtige Erkenntnis. Wertschätzung bedeutet Gleichbehandlung und Menschenwürde, dies gilt auch für Kriminelle.

Rollenspiele zur Stärkung der Handlungskompetenz bildeten den Abschluss des Projekttages. Dabei wurden das Auffinden einer hilflosen Person und der Diebstahl eines Handys als normale polizeiliche Einsätze nachgestellt. Nach einer Rollenverteilung und Einweisung in den Umgang mit dem Funkgerät, stand die Kommunikation im Mittelpunkt des Geschehens. Meldungen, die in der Zentrale eingehen, müssen vor Ort überprüft werden. Dabei hat die Eigensicherung stets Vorrang. Wie wichtig es ist, sich den Überblick zu verschaffen, die richtigen Fragen zu stellen um den Ablauf zu recherchieren, Personalien aufzunehmen und an die Wache weiterzugeben, wurde praxisnah erprobt. Hier waren Flexibilität, Kommunikationsfähigkeit, Konfliktmanagement und Teamarbeit erforderlich.

Dieser abwechslungsreiche und informative Projekttag hat, neben einem praxisnahen Einblick in die Anforderungen des Polizeiberufs, zur Reflexion eigener Fähigkeiten beigetragen. Dabei hat Herr Reusch durch seine wertschätzende und begeisternde Art maßgeblich dazu bei getragen, dass bei vielen TeilnehmerInnen der Wunsch sich nach dem Fachabitur bei der Polizei zu bewerben, verstärkt wurde.

Aufgrund des hohen Interesses am Polizeiberuf wird im kommenden Halbjahr ein weiterer Projekttag angeboten.

Susanne Schmidt