Besuch auf dem jüdischen Friedhof

Mehr- oder eintägige Fahrten in die Niederlande, nach Frankreich und nach Belgien gehören genauso selbstverständlich zum Unterricht an der „Realschule An der Fleuth“ wie der Besuch von Ausstellungen, Theater- und Kinoaufführungen sowie der Gang zu den Kirchengebäuden und zu den Friedhöfen der beiden christlichen Konfessionen. In der 6. Jahrgangsstufe, in der das Thema „Das Judentum“ auf dem Lehrplan steht, nehmen die Religionslehrerinnen gern die Möglichkeit wahr, den Gebetsraum in Issum zu besuchen oder einen Gang über den jüdischen Friedhof am Boeckelter Weg zu machen.

So begab sich Anfang Februar dieses Jahres eine 21-köpfige Schülergruppe in Begleitung ihrer Religionslehrerin Hildegard van Hüüt zu dem Friedhof, auf dem sich noch ca. 100 Gräber verstorbener Juden aus Geldern und Umgebung befinden. Ungeordnet herumstehende Grabmäler, auf denen die Namen und die Geburtsdaten der Verstorbenen eingemeißelt sind, sind die Relikte, die von den Grabstätten übriggeblieben sind. Dem einen oder anderen Verstorbenen waren nette Abschiedsworte, wie man sie auch auf christlichen Grabmälern vorfindet, gewidmet. Aufmerksam lasen sich die Schülerinnen und Schüler diese Widmungen durch und brachten Menschen, an die mit den Worten „Hier ruht unsere geliebte und unvergessene Mutter“ erinnert wird, die Wertschätzung entgegen, die den Verstorbenen gebührt. Statt des christlichen Kreuzes bot sich den Schülern auf manch einem Grab der Davidsstern dar. Besonders interessiert nahmen die Schülerinnen und Schüler die Steine, die die jüdischen Angehörigen bei ihren letzten Besuchen als stiller Gruß auf den Grabmälern abgelegt hatten, wahr.  Dieser Brauch könnte –  älteren Forschungen zufolge – auf die Zeit der Wüstenwanderung des Volkes Israels zurückgehen, in der die Gräber mit Steinen zugelegt und auf diese Weise für viele Jahre erkennbar blieben.

Der Friedhof erscheint insgesamt als ein recht verwaister Ort, er wird aber sehr ordentlich von der Stadt geführt und gepflegt. So war er jahreszeitgemäß von Hunderten von hübschen lilafarbenen Krokussen übersät.

Das Tor zum Friedhof ist zwar immer abgeschlossen, Bürger, die den Friedhof besuchen wollen, können sich den Schlüssel allerdings bei der Friedhofsverwaltung der Stadt Geldern abholen.

Schüler gedenken ermordeter Juden des Nationalsozialismus

Eine Schülergruppe von rund 60 Schülern der Realschule An der Fleuth (Standort Westwall) begab sich am 30.01.2020 auf einen Rundgang in Geldern anlässlich des 75. Jahrestages der Befreiung des KZ Auschwitz. Der Rundgang war selbstständig von den Schülern vorbereitet worden. Sie besuchten Stolpersteine, welche in der ganzen Stadt verteilt sind, um sich einen Eindruck davon verschaffen zu können, wo sich die Wohnorte der letzten in Geldern lebenden Juden befanden. Außerdem besuchten sie den Standort der Synagoge, welche 1938 in der Reichspogromnacht von den Nationalsozialisten niedergebrannt wurde.

Warum sollen wir uns erinnern?

Die Schüler der Realschule An der Fleuth (Standort Westwall) fertigten bei Ihren Recherchen eine Pinnwand zum Thema „Warum sollen wir uns erinnern?“ an. Dies machten sie, damit der Tag des Holocaust nicht vergessen wird. Viele waren sich einig, dass Erinnerung wichtig ist, „damit so etwas nicht wieder passiert“ und gleichzeitig um „die zu ehren und würdigen, die ihr Leben lassen mussten“.

Geschrieben von: Luca Grüter, Lennard Hetjens& Kevin Schneider, Jahrgangsstufe 10

Steinzeit „be-griffen“: Realschüler als Geschichtsforscher

Dass Geschichte nicht langweilig und „verstaubt“ sein muss, bewiesen jetzt die SchülerInnen der Klasse 6a der Realschule An der Fleuth: Sie hatten sich in den zurückliegenden Wochen fleißig als junge Geschichtsforscher betätigt und aus Naturmaterialien Modelle einer typischen steinzeitlichen Siedlung gebaut. Diese präsentierten sie am Tag der offenen Tür der Realschule stolz den BesucherInnen.

Die Jungen und Mädchen hatten von ihrem Geschichtslehrer Frank Feggeler die Ausgrabungs-Skizze einer typischen (erfundenen) steinzeitlichen Siedlung bekommen. Der Arbeitsauftrag lautete: Baue das Dorf als Modell nach. Dazu mussten die SchülerInnen sich zunächst selbstständig mit Hilfe des Internets und diverser Sachbücher schlau machen und herausfinden, was die abgebildeten Spuren wohl vor 5000 Jahren einmal gewesen sein könnten. Dann mussten sie ihren Nachbau sorgfältig planen und Baumaterialien besorgen – die fanden sie in der Natur, um die Modelle auch so realistisch wie möglich zu machen.

Und so leisteten die Sechstklässler, die mit viel Spaß und Teamwork zu Werke gingen, ganz nebenbei die typische Arbeit von Geschichtsforschern, nämlich Spuren der Vergangenheit zu finden, zu analysieren und zu rekonstruieren. Die Arbeitsergebnisse konnten sich allesamt wirklich sehen lassen. Die stolzen Baumeister präsentierten ihre Modelle schließlich am Tag der offenen Tür der Realschule einer größeren Öffentlichkeit und ernteten als Lohn für ihr Schaffen nicht nur gute Noten, sondern auch die Bewunderung der großen und kleinen Besucher.

(Fotos: privat)

Thementage 2019

Auch in diesem Jahr durften sich unsere Schüler in der letzten Woche vor den Ferien drei Tage lang mit Unterrichtsthemen beschäftigen, die unabhängig von den gängigen Lehrplänen angeboten und aufbereitet wurden. Für die sechste Jahrgangsstufe hieß das Thema, das klassenübergreifend vorbereitet worden war: Xanten und die Römer. Bei der Nennung des Unterrichtsthemas  war die Resonanz der Schüler eher negativ gewesen, im Nachhinein zeigten sich die meisten Schüler jedoch positiv überrascht. „Mir hat alles gut gefallen, schade war nur, dass ich die Spiele im Spielehaus des Archäologischen Park nicht alle richtig verstanden habe“, schrieb eine Schülerin aus der 6d in ihrem Resümee.

Hier ist im Weiteren ein recht detaillierter Bericht aus der Klasse 6d

Am ersten Tag eigneten sich die Schülergruppen theoretisches Wissen über die Römer an. Es wurde gebastelt, gemalt, gerechnet, gepuzzelt, gerätselt, ferngesehen und gespielt. Besonders großes Interesse fand das „Kofferpackspiel“: Wenn ich an die Römer denke, denke ich an…  in zwei Klassen. Das Erinnerungsvermögen der stärksten Schüler überraschte nicht nur die Lehrerinnen,  selbst die Klassenkameraden bestaunten die guten Gedächtnisleistungen von manch einem ihrer Mitschüler.

Am zweiten Tag ging es per Bus nach Xanten. Nach einem Rundgang durch den Archäologischen Park, während dessen die Schüler eine Rallye, zu der ein Abstecher in das Spielehaus gehörte, bearbeiteten, wurde die Innenstadt von Xanten erkundigt. Eine besonders interessierte Schülergruppe begab sich auf einen Weg durch den Dom bis hin in die Krypta, wo sich u. a.  die sterblichen Überreste des seligen Karl Leisner, die von Heinz Bello und von Gerhard Storm befinden.

Am dritten Tag arbeitete ein Teil der Klassen mit den Materialien, die die Lehrer als Lerntheke zusammengestellt hatten, weiter, und das sogar richtig gern, wie später in den Abschlussbriefen zu lesen war. Drei der fünf sechsten Klassen nahmen zudem mit Freude an der römischen Spieleolympiade, die einige Schüler aus der Klasse 6d betreuten, teil. Vier der siegreichen Schüler  – die Klasse 6a war besonders erfolgreich – wurden mit schönen Urkunden und  mit kleinen Preisen geehrt. „Die Thementage sind wie im Flug vergangen, und sie haben viel Spaß gemacht!“, hieß es im Allgemeinen aus Schülermund, sie könnten im nächsten Jahr ruhig wieder in derselben Form angeboten werden, gab eine Schülergruppe als Tipp ab.  





GELDERN WIR KOMMEN!!

Am 21. September ist es soweit. Wir kommen für eine Woche nach Geldern! Das wird der zweite Teil der 6. Staffel unseres Schulaustausches sein. Ihr wart bei uns im Mai zu Gast. Nun freuen wir uns, zu Euch für eine Woche zu kommen. Wir sind schon sooo gespannt und hoffen, dass es auch mit dem Wetter klappt.

026

Ein Tag gegen das Vergessen

Am 28.1.2015 besuchte die Holocaust überlebende Eva Weyl unsere Schule. Im Pfarrsaal der St. Maria Magdalena Kirche hielt sie vor den 10er Klassen einen sehr spannenden und auch erschreckenden Vortrag.

Eva Weyls Wurzeln liegen in Kleve. Von dort aus begann die Flucht vor der Vernichtungsmaschinerie der Nazis. Ihre Familie suchte in den Niederlanden Schutz und fand diesen dort für einige Zeit. Eines Tages bekam die junge Eva Weyl gesagt, das sie aus ihrem schönen Haus ausziehen würden. Eva fragte nicht wirklich warum sie denn umziehen würden und fand den Umzug eher spannend. Ihr Ziel war das Flüchtlingslager Westerbork.

Dieses Lager wurde von der niederländischen Regierung gebaut und geplant. Als die deutschen am 10.5.1940 die Niederlanden überfielen war das Lager im Besitz der Nazis. Diese entschlossen sich später das Lager als Zwischenlager zu nutzen. Westerbork war ein Sammellager von dem aus jede Woche ein Zug Richtung Osten fuhr, in die Vernichtungslager, wie Auschwitz oder Bergen-Belsen. Von den Nazis wurde es offiziell Judendurchgangslager Westerbork genannt.

Im Lager angekommen wurde der Vater von seiner Familie getrennt und arbeitete als Bauer im Lager. Im Lager gab es eine Schule, ein Krankenhaus und ein Waisenhaus. Als die Nazis das Lager als Sammellager der Juden aus den Niederlanden benutzten, wurde Eva`s Vater damit beauftragt in der Verwaltung des Lagers zu arbeiten, da er deutsch und niederländisch sprach. Er war nicht der einzige Insasse der in der Verwaltung des Lagers arbeitete, da das Lager mitlerweile so voll war, dass die Nazis Personalmangel hatten.  Er bearbeitete die Anträge der Gefangenen. Er bestimmte auch mit darüber wer in den Osten fahren musste und wer nicht. Für einige wurde er damit zu einem Helden für andere wiederum wurde er zum Verräter des eigenen Volkes. Da er mit diesem Druck nicht mehr Leben wollte, wollte er freiwillig in den Osten fahren. Ein Barackennachbar konnte ihn jedoch überreden in Westerbork zu bleiben.

Durch diese Veränderung veränderte sich auch das Leben der gesamten Familie. Die Familie zog in eine der ursprünglichen Baracken. Sie hatten dort ihre eigene Toilette, ein eigenes Waschbecken und eine Heizung. Eines Tages flogen britische Bomber Angriffe auf deutsches Gebiet. Da, wegen der Heizung, mitten im Lager ein hoher Schornstein stand schossen die Jäger auf das Lager, dass sie für eine Fabrik hielten. Bei diesem Angriff wurden einige Lagerinsassen getötet, doch für die Weyl´s war dies ein glücklicher Zufall, denn sie standen auf der Liste für den nächsten Zug nach Auschwitz. Diese wurde jedoch wegen dem Chaos des Angriffes zerrissen und somit rettete dieser Angriff der Familie das Leben.

Der 12.4.1945 ist bis heute einer der wichtigsten Tage im Leben von Eva Weyl. An diesem Tag wurde das Lager Westerbork von kanadischen Soldaten befreit und die Familie Weyl hatte den Holocaust überlebt. Ihr Vater machte wieder ein Textilgeschäft auf. Dieses eröffnete er jedoch in den Niederlanden. ,, Er traute den deutschen seiner Generation nicht„. Er schloss Freundschaften mit den älteren der jüngeren Generation, da er bei ihnen sicher sein konnte, das sie keine Nazis waren.

Im Lager Westerbork waren zum Teil über 15000 Juden. Ungefähr 100 mal fuhr ein Zug mit Juden aus dem KZ Westerbork  in das Vernichtungslager Auschwitz. Insgesamt wurden 100000 Juden Abtransportiert und ca. 245 Sinti und Roma. Von ihnen überlebten gerade einmal 5000 diese Vernichtungsmaschinerie.

Eva Weyl sprach am Ende ihres Vortrags die sehr einprägsamen Worte: ,,Ihr könnt nichts dafür, eure Eltern und Großeltern auch nicht, aber ihr dürft dies niemals vergessen, damit so etwas nie wieder passiert!´´

Noah Valentin

 

Besuch der Zeitzeugin Eva Weyl an der Realschule An der Fleuth

Besuch der Zeitzeugin Eva Weyl an der Realschule An der Fleuth

Geldern  Am Freitag, den 28. November 2014 hatte die Klasse 9 a der Realschule An der Fleuth das Privileg, dass die Zeitzeugin Eva Weyl sie besuchte und über ihr Leben, als jüdische Gefangene in einem Arbeitslager im 2. Weltkrieg berichtete.

Eva Weyl ist eine Frau jüdischen Glaubens. Sie ist im Jahr 1936 in Arnheim geboren. Ihre Familie stammt ursprünglich aus Kleve. Kurz nach der Machtübernahme Hitlers verließen sie Deutschland und flohen nach Arnheim in die Niederlande. Bereits mit sechs Jahren kam sie zusammen mit ihrer Familie in das Arbeitslager Westerbork, wo auch Anne Frank untergebracht war.  Alle ihre nahen Angehörigen überlebten den zweiten Weltkrieg, oftmals mit viel Glück. Trotz der vielen schlimmen Erlebnisse, die sie durchgemacht hat, ist sie immer noch sehr lebensfroh.

Frau Weyl verurteilt die Deutschen nicht für ihre Vergangenheit. Dies macht sie immer wieder mit dem Satz „Ihr seid nicht für die Vergangenheit verantwortlich, aber für das, was daraus gemacht wird“ deutlich.

Die Schüler hörten den Erzählungen von Eva Weyl aufmerksam und äußerst interessiert zu. Am Ende ihres bebilderten Vortrages konnten die Anwesenden noch einige Fragen stellen.

Weyl-Homepage

 

Möglich gemacht wurde das Treffen von den Lehrern Rüdiger Germer und Christian Ettwig und der Referendarin Lisa Mette.

 

Lorena Acuña Passens (9 a)

Eva Weyl – Eine Zeitzeugin berichtet

Ich schreibe. Ich schreibe nicht oft. Doch wenn ich schreibe, dann viel. Immer wieder sitze ich vor diesem Computer und versuche, die Ereignisse die mich beeindruckt haben, zu Papier zu bringen. Andere Menschen lachen vielleicht darüber, dass ich hier bin und nicht weiß, wie ich anfangen soll, obwohl es so viel gibt über das ich etwas sagen möchte. Vielleicht fange ich von vorne an. Mir ist es egal, was über meine Texte gesagt oder gedacht wird. Mir ist es egal, ob es Menschen gibt, die ich mit meinen Texten nerve und mir ist es egal ob Menschen schlecht über mich sprechen oder es uncool finden, dass ich schreibe. Es ist schwer, von mir in dieses wahnsinnig große und umfangreiche Thema zu springen, aber ich versuche es nun mal. Vor ca. zwei Jahren habe ich an einem Polenaustausch unserer Schule teilgenommen. Ich bin eigentlich immer ein sehr offener Mensch, der zuhört, auch wenn Dinge ihn nicht wirklich interessieren. Ich bin ein Mensch, der sich Dinge anhört, die er eigentlich nicht hören will und vor allem bin ich ein Mensch, der seine eigene Meinung hat. Nun ja. Polen vor knapp zwei Jahren. Danzig ist eine wahnsinnig schöne Stadt mit unglaublich vielen Eindrücken und Dingen, die wir erleben konnten. Wir wussten alle vom ersten Tag an, dass wir das KZ Stutthof in Polen besuchen werden. Unser Programm wurde ausführlich mit den betreuenden Lehrern besprochen. Doch irgendwie war mir noch nicht wirklich bewusst, was mich an dem Tag des Besuches erwarten wird. Unser Bus fuhr auf ein Gelände drauf. Vorne stand ein großes, für mich friedlich wirkendes Haus. Um dieses Haus waren ein paar kleine Wiesen gesetzt. Der breite Weg war mit weißen Kieselsteinen ausgelegt und auf dem Rasen standen riesig große Schilder, mit kleinen Grafiken und Plänen. Daneben jeweils ein Text. Natürlich auch auf Deutsch. Alles sah aus wie ein, ja, es ist schwer zu beschreiben, wie ein Gelände einer reichen Familie. Froh und grün. Ich trat nun auch näher an die Schilder ran, auf denen das Haus und seine Räume kurz erklärt wurden. In diesem Moment habe ich nichts mehr mitbekommen. Es gab mich und das Schild, so blöd es auch klingt. Ich habe nichts mehr wahrgenommen. Weder meine Lehrer, noch meine Freunde oder die Umgebung. So schaute ich mir dieses riesige Schild an und schaute, nachdem ich die Texte gelesen hatte, weit in die Ferne. Daniela sprach mich an und sagte, wir müssten weiter, es sei eine Führung geplant und erst jetzt sah ich dieses wahnsinnig große Gelände. Es erstreckte sich so weit, dass ich die Dinge am anderen Ende nicht mehr erkennen konnte. Ich war mir ab da nicht mehr sicher, ob ich sie überhaupt erkennen wollte. Ja, was blieb mir anderes übrig. Meine Gedanken waren in diesem Moment ziemlich verschieden. Keiner merkte mir irgendwie etwas an. Ich ging langsam neben Daniela auf ein großes Tor zu. Daneben Stacheldraht. Oben auf dem alten großen Schild des Tores stand geschrieben „Stutthof“. Der Rest war polnisch und somit nicht für mich lesbar. Aber hier sollte die Reise in die psychopatische Vergangenheit nicht beginnen. Wir folgten einem Mann. Mittelgroß. Schlank, mit schwarzen Haaren und einer kleinen Brille. Er sprach Deutsch und somit wurde die Gruppe in deutsche und polnische Schüler eingeteilt. Alles was dieser Mann uns erzählte sollte ich nicht mehr vergessen. Wir standen in einer Baracke und ab da war es ein bisschen anders, das Gefühl, welches ich im Bus zuvor gehabt habe. Es war nichts mehr mit Lächeln oder Reden. Einfach zuhören. Jeder von uns hörte in diesem Moment an diesem Ort zu. In der Mitte dieser Baracke lagen bestimmt hunderte Schuhsohlen. Dahinter hingen Bilder. Bilder von kleinen Schuhen, die wohl einem Baby gehört haben. Glaubt mir, es ist nicht einfach als 15 jähriges Mädchen hier zu sitzen und so etwas zu verfassen. Vor allem, bin ich eines der Mädchen, welches sich jedes Bild speichert und immer wieder abruft, wenn sie darüber erzählt. Auch das Bild von den kleinen Schuhen sehe ich heute noch, wenn ich daran zurück denke. Es roch alt, ein bisschen feucht und sehr nach Holz. Bei jedem Schritt knackte der Boden und ich stellte mir vor, wie es gewesen sein muss, hier durch zu laufen. Wir waren eine Gruppe von vielleicht 40 Leuten und es war verdammt eng. 40 Leute. Ich wollte es mir nicht ausmalen, wie viele Menschen in dieser Baracke gelebt, geschlafen und geweint haben. Es war gruselig und zugleich auch befreiend. Ich kann es nicht genau sagen. Ich glaube in diesem Moment haben die wenigsten von uns irgendwas gefühlt. Wir liefen weiter und standen draußen vor diesem erschreckenden Tor. Was uns da erzählt wurde, will und kann ich hier nicht wiederholen. Es ist einfach beängstigend. Wir folgten dem Mann als Gruppe. Wir blieben alle zusammen und liefen durch die einzelnen Baracken, durch die „Schlafzimmer“ und Gruppenduschen. Ich blieb immer bei Daniela. Ich möchte hier nicht alle Einzelheiten aufschreiben, es war schlimm und egal was ich sage, keiner wird es mir glauben, wie schlimm es dort ist, wenn er nicht selber da gewesen ist und auf diesem Gelände gestanden hat. Wir liefen nun geradeaus auf ein kleineres Gebäude zu. Links von mir erstreckte sich eine weite Wiese. Wieder dieser lange und hohe Zaun aus Stacheldraht. Doch die Wiesen in diesem Terror- Lager waren grüner, als alle Wiesen die ich je zuvor gesehen habe. Ich ging in das Gebäude rein und sah zwei, ja, Maschinen will ich nicht sagen. Sie sahen aus wie Öfen. Auf ihnen waren ganz viele Kerzen und Blumen verstreut und aufgebaut, zum Gedenken an die Opfer, die damals ermordet wurden. Wahnsinn. Es waren so viele Momente, so viele Eindrücke. Vielleicht zu viele für ein so junges Mädchen wie mich. Aber mich interessierte, was passiert ist und wir liefen weiter. Ich drehte mich um und stand vor einem Raum aus Steinmauern. Davor ein Gitter aus Metallzaun. Ich schaute hinein. Es war nicht größer als eine Toilettenkabine bei uns an der Schule. Die Gaskammer. Dahinter ein Zug, der zur Gaskammer umfunktioniert wurde. Ich wollte das alles nicht sehen. Ich hatte genug gesehen. Ich lief und lief, Daniela folgte mir. Vor mir stand ein überdimensionaler Stein. Darunter eine Wiese mit Stufen, die zu ihm führten. Ich ging hoch, stellte mich vor den Stein und strich über ihn, in Gedanken bei allen Menschen, die hier qualvoll umgekommen sind. Eigentlich dachte ich hauptsächlich an Mädchen wie mich, im gleichen Alter, mit der gleichen Haarfarbe, der gleichen Körpergröße und vielleicht dem gleichen Herzschlag. Keiner ahnte was in mir vorging. Ich wendete mich vom Stein ab und ging die Stufen hinunter. Es war zu viel. Zu viel für mich und meine Nerven. Ich weinte los und Daniela nahm mich in den Arm. Ich habe Tränen an diesem Ort gelassen, als Zeichen, dass es mich nicht alles kalt lässt und dass ich nicht nur ein Mädchen bin, die die Geschichte langweilig und nervig findet. Auf dem Rückweg im Bus haben viele geschlafen. Niemand hat geredet. Nicht einmal die Lehrer. Ich saß am Fenster und war froh, gleichzeitig aber auch sehr verwirrt von dem was die letzten paar Stunden passiert war.

 

 

Vor ein paar Wochen hat der Geschichtskurs unserer Schule einen Tagesausflug ins Haus der Geschichte gemacht. Für die Mädchen aus meiner Gruppe war klar, wenn sie sich etwas genauer angucken, dann Hitler, die Briefe von Menschen aus der Zeit und Dinge über den Holocaust. Wir liefen also durch das Museum und kamen in eine moderne Kammer. Außenrum waren viele Bilder und an jeder Wand hing ein kleiner Fernseher, in dem die Namen der verstorbenen Menschen abgespielt wurden. Ich bin mir nicht sicher, aber ich denke , keiner hat das gefühlt, was ich gefühlt habe. Ein Foto zeigte einen Haufen Schuhe. Da war es wieder, das Bild von vor knapp zwei Jahren. Die Erinnerung an das, was ich sehen durfte.

 

 

Heute ist Mittwoch. Am Montag vor einer Woche, war wieder so ein Tag. Am Freitag zuvor bekamen wir von einem unserer Geschichtslehrer einen kleinen Infozettel über das, was uns an diesem Projekttag erwarten wird. Ein Holocaust Projekttag an unserer Schule. Ich las mir die einzelnen Punkte durch und wusste vorher schon, dass wir die Chance bekommen, eine Überlebende des Holocaust zu sehen. Sie sollte einen Vortrag an unserer Schule halten, über sich und ihre Familie und über die Ereignisse von damals. Herr Ettwig, Laura, Natalie und ich fuhren gemeinsam mit dem Auto zum Seehotel, um sie persönlich abzuholen. Ich war sehr froh, dabei sein zu dürfen und sie einmal kennenlernen zu dürfen. Ihr Name war Eva Weyl und sie war eine ganz nette und liebevolle ältere Dame. Sie wirkte sehr fröhlich und begrüßte uns direkt sehr freundlich. Wir fuhren zur Schule und ich wusste, wir würden in den ersten beiden Stunden erst auf das vorbereitet werden, was und in den letzten Stunden erwarten wird. Wo andere dann sagten, wie nervig so etwas sei oder wie langweilig man nur sein könnte, verstand ich die Welt nicht mehr. Für mich sind Menschen langweilig und einfach nur peinlich, die die Vergangenheit verdrängen und auf all das keinen Bock haben. Ich jedenfalls freute mich auf das, was mich erwartete. Nach der Pause versammelten wir uns alle in der Aula um zu hören was Frau Weyl uns erzählen wird. Sie stellte klar, dass sie in keinem KZ war, sondern nur in einem Übergangs- oder auch Arbeitslager und dass sie es deshalb überlebt hat. Mich berührte die Geschichte mit den Brillianten sehr. Ein kleines Mädchen, welches den Wert dieser Steine nicht kennt, trägt sie sicher durch den Krieg und das in den Knöpfen ihres kleinen Mantels. Ich fand es bewundernswert, dass sie heute einen dieser Brillianten als Ring an ihrem Finger trägt. Zur Erinnerung an ihre Kindheit, an die Vergangenheit und vor allem an ihre Mutter, die ihn hat anfertigen lassen. Sie hat über so viel berichtet und ich fand es einfach enorm, dass man es so rüber bringen konnte. Ich war in dieser Art Tunnel, wie man heute sagt. Ich hörte ihr genau zu. Jedes Wort, was sie sagte, interessierte mich sehr und meiner Meinung nach hätte dieser Vortrag noch viel länger gehen können. Vielleicht war ich so beeindruckt von ihr, weil sie genau das auf den Punkt gebracht und ausgesprochen hat, was ich schon seit langer Zeit denke. Nicht wir, nicht ich, nicht meine Eltern können was für die Vergangenheit. Wir sind keine Täter. Wir machen uns zu Mittätern, indem wir die Vergangenheit vergessen. Genau das will ich nicht. Ich will auf keinen Fall vergessen, was damals passiert ist, auch wenn ich oft verwirrt bin, weil ich die Menschen nicht verstehe. Das was, ich lernen durfte, werde ich weitergeben. An meine Kinder, an meine Enkelkinder. Ich bin einfach sehr dankbar für das, was ich lernen durfte. Gerne würde ich noch viel mehr über dieses Thema erfahren, aber findet mal in meinem Alter eine Person die mich begleitet. Irgendwann werde ich versuchen in Museen zu kommen oder irgendwelche Orte von damals zu besuchen. Im Moment bin ich noch etwas jung, um alleine irgendwo eine Reise hin zu machen.

 

 

Nie wieder Auschwitz

Nie wieder Auschwitz          Leonie Langanke, Annika Scholler, Miriam Gerfertz; Kl. 8b

Eine Zeitzeugin berichtet über ihre Erlebnisse in der Zeit des Holocaust.

GELDERN Alle Augen waren nach vorne gerichtet, als Eva Weyl in der Aula der Realschule An der Fleuth über ihre Erfahrungen in der Zeit des Holocaust berichtete.

Im Rahmen des alljährlichen Projekttages zum Gedenken an die Befreiung des KZ Auschwitz hatte der Geschichtslehrer Christian Ettwig die Zeitzeugin eingeladen.

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Sie berichtete, unterstützt von persönlichen Fotos, von ihrem ehemaligen Zuhause in Kleve, den Eltern und Großeltern, der frühen Emigration nach Holland. Als sie 5 Jahre alt war begann der 2. Weltkrieg.  Im Mai 1940 besetzte die deutsche Wehrmacht die Niederlande. Im Sammellager Westerbork wurden holländische Juden deportiert.  Dort wurde nach den Beschlüssen der Wannsee- Konferenz, der Endlösung der Judenfrage, einmal pro Woche eine Liste mit ca. 1000 Insassen des Lagers zusammengestellt, die anschließend mit einem Zug in die Vernichtungslager  nach Auschwitz oder Sobibor transportiert wurden. Auch Anne Frank und Leni Valk standen auf diesen Listen. Im April 1945 wurde das Lager von kanadischen Soldaten befreit. Eva Weyl überlebte.

Heute lebt die 78-jährige in der niederländischen Hauptstadt Amsterdam und hält regelmäßig an Schulen Vorträge über ihre Zeit in Westerbork.

Nach ihrer Geschichte war die Betroffenheit deutlich zu spüren. Aber vor allem der  Mut und die Offenheit, mit der Frau Weyl ihre Erfahrungen mitteilte, weckten Bewunderung. Ein Stück deutscher Geschichte wurde durch diese Zeitzeugin erfahrbar und wird damit zur bleibenden Erinnerung bei den Schülern.

„Nie wieder Auschwitz, die Vergangenheit bewahren und daraus lernen“, so schloss Frau Weyl den Schülern zugewandt, das sei die Verantwortung der jungen Menschen auch an der Realschule An der Fleuth.